Vom Geist

Prof. Dr. Günther Böhme
Prof. Dr. Günther Böhme

Gedicht von Prof. Dr. Günther Böhme,
Ehrenvorsitzender der Volkshochschule Wiesbaden,
gewidmet der Volksbildungsstätte Schierstein
anlässlich der Feier des sechzigsten Jubiläums am 17.11.2006

Die Frage ist doch: Was ist Geist?
Und woran ist er zu erkennen?
Warum darf, wen man geistvoll heißt,
Sich dann auch noch gebildet nennen?
Und wer's nicht ist, wird der nicht meist
Zur nächsten Bildungsstätte rennen?
Da kann er, grad wie unsereins,
Sich klugen Geistern anbequemen,
Sitzt er am Ufer Vater Rheins,
Wird er bei geistigen Problemen
Sich reichlich guten Geist des Weins
Gedankenvoll zu Hilfe nehmen.
Wird dabei auch sein Geist entschwinden
Entruckt so in die Welt des Scheins,
Wird er ent-geistert Ruhe zu finden,
Vertrauend auf den Spruch der Alten:
Den Seinen gibt's der Herr im Schlaf.
Doch hat er seinen Schlaf gehalten,
Merkt er, dass es ihn nicht betraf.

Von Bildung ist da nicht die Rede.
Doch was ihm nun im Schädel kreist
Liegt mit dem Zeitgeist in der Fehde;
Der eben geht ihm auf den Geist.
Da ruft, aus Furcht vor Geistes-Öde
Er, was seit Hegel Weltgeist heißt,
Der seinerseits ihn stante pede
Auf Schiersteins Bildungsstätte weist.

Da glättet sich noch eine jede
Besorgte Miene (mindstens meist),
Wird Geist doch wie Duft der Resede
Hier inhaliert. Weshalb die Rede
Den Ort von Schiersteins Hölle preist,
Wo noch der letzte Samojede
In Fülle Geist wie Manna speist.
Wer sich mit Geist plagt, der bewundert,
Was hier seit mehr als Halb-Jahrhundert
Hierorts um Volkes Bildung kreist.
Und angesichts von solchen Meistern
Der Schule muss er sich begeistern:
Der Geist mit Wein gepaart hält jung.
Wer neigt sich nicht zur Huldigung
Vor denen auch, die vorher waren?

Wer jetzt noch fragt: Was ist der Geist?
Dem sei gesagt: Er wird's erfahren,
Wenn er einmal nach Schierstein reist.